Eine spannende Frage: Wie wird man im Jahre 2214 über die Musik des Jahres 2014 denken? Oder über die Zeit zwischen 1950 und 2030? An wen wird man sich im Jahre 2214 "auf der Straße" noch erinnern, ohne das man irgendwo nachschlagen muss? Wenn Sie ein Gefühl dafür haben wollen, dann machen Sie das gleiche Experiment einmal mit Komponisten symphonischer Musik zwischen 1750 und 1830. Die Antwort wird wahrscheinlich lauten: "Beethoven, Mozart, Haydn. Und Schubert fällt natürlich auch in diese Zeit". Dann wird man aber schon nachdenken müssen. Vielleicht Stamitz? Oder Leopold Mozart? Georg Christoph Wagenseil? Wagen-wer? Mal ganz ehrlich Alles, was jetzt kommt, ist gefühlt "B-Ware". Gebrauchskomponisten, teils mit ganz netten Ideen und schönen Stückchen, aber ansonsten... Naja, es hat wohl schon so seinen Grund, warum sie man sie nicht mehr kennt.

Ist es wirklich so? Denken Sie nochmal über die Musik seit 1950 nach und wählen Sie sich daraus fünf Repräsentanten.Wer wird es sein? Elvis? Die Rolling Stones? Nirvana? Madonna? Lady Gaga? Egal, wen Sie wählen: alle anderen werden zu Gebrauchsmusikern, teils mit ganz netten Ideen und schönen Stückchen, aber ansonsten... Wirklich "B-Ware"? Nein, für uns, die wir immer noch unmittelbar mit der Musik seit 1950 konfrontiert sind, ist die Gruppe der "erstklassigen Musiker" natürlich um ein Vielfaches größer. Man kann die letzten 70 Jahre musikalisch nicht pauschal auf fünf Namen reduzieren, denn es hieße, die großen Wegbereiter zu ignorieren und zu vergessen. Was ist mit Chuck Berry, dem Pionier des Rock ’n’ Roll? Was ist mit Little Richard, der unverzichtbar ist für Glam-Rock-Bands wie Pink Floyd oder Queen? Und genau das gilt auch für die Zeit der Klassik und Romantik: Wir sehen die "Herausragenden", die "Leuchttürme" - und vergessen dabei häufig genug die Wegbereiter. Oder hätten Sie bei der Frage wirklich Carl Philipp Emanuel Bach auf der Liste gehabt? Wahrscheinlich nicht. Und einer dieser Wegbereiter für Komponisten wie Mendelssohn, Schumann, Wagner, Liszt oder Brahms ist Friedrich Schneider.

1786 in der Nähe von Zittau geboren und von seinem Vater im Instrumentalspiel unterrichtet (u. a. Klavier, Orgel, Violine, Violoncello und diverser Blasinstrumente) beginnt er 1805 in Leipzig das Studium der „Humaniora“. Hier vertieft er seine musikalischen Kenntnisse soweit, dass er bereits 1810 Musikdirektor der Seconda’schen Operngesellschaft und 1813 zum Organist an der Thomaskirche berufen wird. 1816 übernimmt er die Leitung der Singakademie und wird ab 1817 als Musikdirektor des Stadttheaters tätig, wodurch er nach und nach zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Leipziger Musiklebens wird. 

Obwohl er sich während seiner Leipziger Jahre unterschiedlichsten musikalischen Gattungen widmet, ist er als Komponist vor 1820 noch wenig bekannt. Erst der unerwartete Erfolg seines zweiten Oratoriums "Das Weltgericht", das am 6. März 1820 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt wird und als eines der bedeutendsten Oratorien der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt, bringt den Durchbruch. Der Siegeszug des Werkes setzte sich in einer Vielzahl von weiteren Aufführungen fort und verschafft Schneider überregionale Bekanntheit und nachhaltige Anerkennung wie z.B. Ehrenmitgliedschaften in der New York Philharmonic Society (1853), der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde und der Königlichen Musikakademie zu Stockholm. Doch obwohl er ab 1822 als Herzoglich-Anhalt-Dessauischer Hofkapellmeister nicht nur das Dessauer Musikleben zu neuer Blüte führt und weiterhin weltweit gerühmt und verehrt wird - eine Generation später ist er bereits wieder weitgehend vergessen.

Aber man tut Friedrich Schneider unrecht, wenn man daraus ableiten wolle, er sei ein nur mittelmäßiger Komponist gewesen. Gerade auf dem Gebiet des Oratoriums (er schrieb allein in dieser Gattung 16 Werke) baute er in einer Zeit der Stagnation zwischen Haydn und Mendelssohn-Bartholdy eine Brücke. Man mag ihm vorwerfen, dass er kein Neuerer war, sondern sich an die Stilmittel seiner klassischen Vorbilder hielt. Doch man würde damit das Lyrische und Besinnliche in seiner Musik ignorieren, das nicht nur seiner Mentalität entsprach, sondern geradezu sinnbildlich für die Epoche zwischen 1815 und 1848 steht. Die Melodik nicht nur seiner Vokalwerke ist schlicht und bewusst fasslich gehalten. Sie sind ganz zugeschnitten auf die bürgerlichen Musikvereine, die kulturelle Massenbewegung der Musikfeste und berücksichtigen damit auch, dass vielfach Laienchöre die Aufführenden waren. In einer Zeit, in der das Bürgertum erstmals seine eigene Kultur und Kunst schafft, sind die Werke Schneiders von höchster Qualität, gerade weil sie "kompositionstechnischen Verstand" mit "bürgerlichen Ton" zu verbinden wissen. Man wird Schneider nicht gerecht, wenn man ihn ausschließlich mit seinen komponierenden Zeitgenossen wie Schumann oder Mendelssohn-Bartholdywertend konfrontiert. Schneider steht nicht einfach nur am "Anfang der Romantik", sondern mit im Zentrum dieses Epochenbeginns. Mit Komponisten wie ihm beginnt die breite bürgerliche Kunst und Kultur, ohne die es die späteren "großen Komponisten" wie Brahms, Liszt oder Wagner niemals möglich geworden wären. Es ist Zeit, ihn dafür zu würdigen und ihm zuzuhören.

Unser Chor

steht auch Studierenden mit weniger Chorerfahrung offen, denn auch ihnen möchten wir die Möglichkeit bieten, im Gesang einen Ausgleich zum Studium zu finden.

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hat einen Faible für eher selten gespielte und unbekannte Werke aus allen Epochen, macht aber trotzdem um Haydn und Schubert keinen Bogen. Und als einziges der Orchester in Göttingen gibt es bei uns kein Vorspielen.

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