Das am 23.12.1806 uraufgeführte Violinkonzert von Beethoven ist nicht nur eines der meistgespielten und auf Tonträger eingespielten Violinkonzerte, sondern gilt heute als Prototyp seiner Gattung und hat wohl wie kaum ein anderes ihre Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Dabei wurde es in den in den folgenden Jahrzehnten kaum aufgeführt. Die meisten Violinisten empfanden es als zu schwer bzw. hatten den Eindruck, dass es zu geringen virtuosen Glanz versprach. Erst 1844, fast 40 Jahre später und 17 Jahre nach Beethovens Tod, kam es zu einem Durchbruch, als der damals 12-jährige Joseph Joachim das Konzert als Solist zur Neuaufführung brachte, mit einem Londoner Orchester unter der Leitung von Felix Mendelssohn. Seither gehört es zu den wichtigsten Werken der Konzertliteratur für Violine. Aber wo lag das Problem?

Die Kritik der Wiener "Theater-Zeitung" vom 8. Januar 1807 gibt einen interessanten Einblick: "Ueber Beethhofens Concert ist das Urtheil von Kennern ungetheilt, es gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, daß der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine, und daß die unendlichen Wiederholungen einiger gemeinen Stellen leicht ermüden könnten. [...] Man fürchtet [...], wenn Beethhofen auf diesem Weg fortwandelt, so werde er und das Publicum übel dabey fahren. Die Musik könne sobald dahin kommen, daß jeder, der nicht genau mit den Regeln und Schwierigkeiten der Kunst vertraut ist, schlechterdings gar keinen Genuß bey ihr finde, sondern durch eine Menge unzusammenhängender und überhäufter Ideen und einen fortwährenden Tumult einiger Instrumente, die den Eingang charakterisiren sollten, zu Boden gedrückt, nur mit einem unangenehmen Gefühl der Ermattung das Koncert verlasse."  Man könnte auch sagen: das Konzert war dem Publikum zu "innovativ" und zu "modern".

Die Solokonzerte der Wiener Klassik entsprachen häufig einem allgemein bekannten und immer wieder praktizierten Schema, in dem vor allem der Solist im Mittelpunkt stand und "sich produzieren" durfte, wohingegen das Orchester - mit Ausnahme einer etwas längeren Orchestereinleitung, in der es das thematische Material vorstellte - im Wesentlichen auf die Aufgabe des "Begleiters im Hintergrund" reduziert wurde. Lediglich Mozart hatte in seinen späten Klavierkonzerten KV 466, 491 und 503 ein wenig in die Richtung eines "symphonischen Konzeres" mit eigenständigen Orchesterpassagen und zeitweiser Begleitfunktion des Soloklaviers gedeutet. In den Violinkonzerten jener Zeit jedoch hatte diese Art eines Solokonzerts keine Präzedenz, so dass das Beethovensche Violinkonzert die Zuhörer - insbesondere ob seiner Reife - vollkommen unvorbereitet traf.

So umfasst allein schon der erste Satz des Konzerts umfaßt ganze 535 Takte und dauert - je nach Interpretation und gewählter Solokadenz - zwischen 20 und 27 Minuten, während üblicherweise ein ganzes Violinkonzert in der Regel nicht länger als 25 Minuten dauerte. Auch hielt Beethoven zwar an der bewährten Sonatensatzform fest, erweiterte diese aber stark: Statt zwei Themen stellte er in der Exposition gleich sechs Ideen vor:

  • Das erste einfache Motiv steht am Anfang des Konzerts und wird allein von der Pauke vorgetragen: es ist ein aus fünf Vierteln bestehendes Motiv, welches im weiteren Verlauf des Satzes an Bedeutung gewinnt.
  • Im zweiten Takt, zusammen mit dem letzten der fünf Viertelnoten, setzen die Holzbläser ein und spielen eine achttaktige Periode (zweites Motiv), das klopfende Paukenmotiv wird von den Streichern imitiert und erhält nun auch eine melodische Komponente.
  • Klarinette und Fagott präsentieren wenige Takte später einen dritten Gedanken, der eigentlich nur aus einer aufsteigenden Durtonleiter besteht und gerade mal zwei Takte beansprucht.
  • Einen ersten Ausbruch bietet das Werk mit dem vierten Motiv, das harmonisch, dynamisch und mit seinem martialischen Ausdruck nach dem lyrischen Beginn überrascht.
  • Nach acht spannungsvollen Takten und einer kurzen Überleitung findet die Exposition im fünften Gedanken zu ihrem anfänglichen Ausdruck zurück. Es handelt sich um ein volksliedhaftes Thema, das in zwei mal vier Takte unterteilt und in jeder Hinsicht einfach gehalten ist.
  • Ein sechstes Motiv, drei Takte umfassend, klangvoll und kantabel gestaltet, schließt schließlich die Exposition ab.

Und dann, im Vergleich zu diesem "großen" ersten Satz, ein über alle Maßen reduzierter zweiter Satz - ohne Flöten, Oboen, Trompeten und Pauken und mit gedämften Streichern. Kaum größer kann der Unterschied zwischen diesen ersten Sätzen sein - dessen Wirkung Beethoven nochmal verstärkt, indem er an das Ende des Satzes eine kurze Kadenz des Solisten setzt und ihn so attacca in den abschließenden Rondo-Satz überführt.

Man ist in der Tat immer wieder erstaunt darüber, wie weit Beethoven seiner Zeit immer wieder voraus war. Haydn brauchte über 100 Symphonien, um die "klassische Symphonie" zu kreieren - Beethoven nur 9, um sie zum Abschluss zu bringen und zur "romantischen Symphonie" weiter zu entwickeln. Mit seiner C-Dur-Messe behandelte der das Thema bereits wie kein anderer zuvor, um dann mit seiner Messe - der "missa solemnis" - eine der berühmtesten Messen der abendländischen Kunstmusik zu schaffen. Sein fünfes Klavierkonzerte ist nicht weniger als der Gipfel der Weiterentwicklung dieses Genres zum "symphonischen Konzert" und beeinflusste nachhaltig spätere Künstler und die weitere Entwicklung der Gattung, wie ihn u. a. später Johannes Brahms erst wieder prägte. In Sachen "Violinkonzerte" benötigte Beethoven nur einen Versuch. Wie schwer es zu Anfang den Zuhörern auch gefallen sein mochte, dessen Größe anzuerkennen – sein Einfluss in der Folgezeit war kolossal. Mendelssohns großes e-Moll-Violinkonzert ist Beethovens Vorbild deutlich verpflichtet; man sollte nicht übersehen, dass Mendelssohn es unmittelbar nach seinem Londoner Besuch von 1844 komponierte, bei dem er jene eingangs erwähnte Aufführung des Beethoven- Konzerts dirigierte, das den Bann, der über dem Werk gelegen hatte, schließlich brach. 

Unser Chor

steht auch Studierenden mit weniger Chorerfahrung offen, denn auch ihnen möchten wir die Möglichkeit bieten, im Gesang einen Ausgleich zum Studium zu finden.

Unser Orchester

hat einen Faible für eher selten gespielte und unbekannte Werke aus allen Epochen, macht aber trotzdem um Haydn und Schubert keinen Bogen. Und als einziges der Orchester in Göttingen gibt es bei uns kein Vorspielen.

Unser Theater

bietet die Möglichkeit, sich im darstellenden Bereich auszuprobieren. Denn bei uns stehen die Freude am Spiel und die Sammlung von Theatererfahrung im Vordergrund.

Unsere Big Band

swingt und groovt, was das Zeug hält - und hat gerade beim 8. internationalen BigBand-Contest "Swingin´ Saxonia" in der Kategorie "Amateure" den zweiten Platz gewonnen!

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies zur Benutzerführung und Webanalyse. Die Cookies sollen uns dabei helfen, diese Webseite besser zu machen.
Wir wollen damit aber weder Geld verdienen noch sie an andere weitergeben. Weitere Informationen stehen in unserer Datenschutzerklärung.