Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" ist nicht nur vielen Zuhörern aus dem Musikunterricht bekannt (es gilt als Paradebeispiel der sogenannen "Programmmusik", bei der die Musik einem Programm aus dem außermusikalischen Bereich folgt), es ist auch das Werk, welches am meisten mit Mussorgsky in Verbindung gebracht wird. Das Problem ist nur: das, was man typischerweise in den Konzertsälen hört, ist garnicht von Mussorgsky. Zumindest nicht so.

Die Bilder, die die Vorlage für Mussorgsky lieferten, stammten von einem russischen Maler namens Viktor Hartmann. 1843 geboren und früh verwaist wuchs dieser in St. Petersburg im Hause eines Onkels, eines bekannten Architekten, auf. Er studierte an der Akademie der Künste in Sankt Petersburg und trat zuerst mit Buchillustrationen hervor. Auch als Architekt arbeitend trug er unter anderem zum 1862 eingeweihten Nationaldenkmal Tausend Jahre Russland in Nowgorod bei. Auf Auslandsreisen in den Jahren 1864 bis 1868 entstanden die meisten Aquarelle und Bleistiftzeichnungen. Besonders bemerkenswert aber ist, dass er als einer der ersten Künstler traditionelle russische Motive in sein Werk aufnahm, denn wohlmöglich darüber kam er um 1870 Kontakt mit der "Gruppe der Fünf" um den Komponisten Mili Balakirew. Dieses auch "das mächtige Häuflein" genannte Gruppe russischer Komponisten (neben Balakirew auch noch Alexander Borodin, César Cui, Modest Mussorgsky und Nikolai Rimski-Korsakow sah ihr Ziel darin, eine bewusst nationalrussische Musik in der Nachfolge Michail Glinkas zu fördern.Hier begann die Freundschaft zwischen Hartmann und Mussorgsky. Ihrer Freundschaft war jedoch nur eine kurze Blüte beschert, denn 1873 starb Hartmann nur 39jährig. Mussorgsky warf dies in eine schwere Krise, denn beim letzten Besuch des Architekten und Malers in Sankt Petersburg hatte er zwar einen Schwächeanfall des Freundes miterlebt, diesen aber nicht all zu ernst genommen.

Hartmann war zu jener Zeit kein unbekannter Maler, weshalb man zu seiner Ehren im Februar und März 1874 eine Ausstellung mit dessen Werken veranstaltete. Und Hartmann war nicht untätig gewesen. Der Ausstellungskatalog verzeichnete etwa vierhundert Werke, darunter die frühen Buchillustrationen, Reiseskizzen, Architektur- und Kostümentwürfe. Und noch während der Ausstellung kam eine ganze Reihe von Werken hinzu. Diese Ausstellung war es, die Mussorgsky dazu anregte, dem verstorbenen Freund auch ein musikalisches Denkmal zu setzen. In einem enormen Schaffensrausch komponierte er seine Klaviersuite "Bilder einer Ausstellung", die er am 22. Juni 1874 vollendete, ganz wie es sich wohl auch Hartmann gewünscht hätte: voller russischen Seele. So hat jeder Satz seine eigene Farbe; häufig werden Motive aus dem russischen Volksgut aufgegriffen, darunter die Hexe Baba Jaga und deren Hütte auf Hühnerfüßen oder auch das Heldentor in der alten Hauptstadt Kiew.

Mussorgsky wählte für seine Suite zehn Bilder Hartmanns, die er durch die viermal wiederkehrende "Promenade" gliederte und die den Betrachter beim Gang durch die Ausstellung zeigt. Die "Promenade" steht auch am Anfang der "Bilder einer Ausstellung", bei den Wiederholungen weist sie jedesmal einen anderen Charakter auf, der sich aus der veränderten Stimmung durch die vorangehende Bildbetrachtung erklärt. Dem ersten Bild "Gnomus" liegt eine Zeichnung eines nußknackerartigen Weihnachtsschmucks zugrunde. Mussorgsky gestaltete daraus ein Porträt eines kleinen Zwergs, der linkisch auf mißgestalteten Beinen einhergeht. Im "Alten Schloß" stimmt ein mittelalterlicher Troubadour seine Romanze an, bis in den "Tuilerien" streitende Kinder im Garten der Tuilierien zusammen mit ihren Gouvernanten nachgezeichnet werden. Das kraftvolle nächste Bild läßt einen "Bydlo", einen polnischen Ochsenkarren, am Betrachter vorbei poltern und langsam wieder verschwinden. Für das Scherzino "Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen" ließ Mussorgsky sich von einem Kostümentwurf Hartmanns für das Ballett "Trilby" (Das Ballett "Trilby" wurde im Jahre 1871 in Petersburg uraufgeführt. Die Musik komponierte der Petersburger Dirigent, Geiger und Komponist Julius Gerber.) leiten. "Samuel Goldenberg und Schmuyle - Zwei polnische Juden, der eine reich, der andere arm" ist der Titel der Schilderung zweier Charaktere, die zuerst isoliert und am Ende aufeinandereinredend dargestellt werden. Noch einmal wird es laut und hektisch, wenn auf dem "Marktplatz von Limoges" französische Marktweiber schreien und zanken. Dann wird Hartmann selbst gezeigt, wie er die "Katakomben" von Paris beim Licht einer Laterne untersucht. Mussorgsky notierte dazu in der Partitur die Worte "con mortuis in lingua mortua" (mit den Toten in der Sprache der Toten) und dann auf russisch "Der schöpferische Geist des verstorbenen Hartmann führt mich zu den Schädeln und ruft sie an - die Schädel beginnen im Inneren sanft zu leuchten". Durch eine Variation des Promenadenmotivs stellt sich Mussorgsky als Betrachter selbst mit Hartmann dar, bevor er im nächsten Bild die russische Hexe Baba Jaga einen wilden Hexenritt vollführen läßt. Den Abschluß des Werkes bildet Hartmanns Zeichnung des "Großen Tores von Kiew", eines Architekturentwurf eines Tores im altrussischen Stil mit einer Kuppel in Form eines slawischen Helms. Die Basis dieses monumentalen Schlußgemäldes ist wieder die "Promenade", die nun aber mit zusätzlichem motivischen Material (Choral der russischen Liturgie, Glöckengeläut) angereichert wird und im letzten Bild der Suite die Größe eines Opernfinales verleiht.

Gerade der Reichtum der Klangfarben regte schon früh andere Komponisten an, das Werk auch für Orchester und andere Instrumentalbesetzungen zu bearbeiten. Wikipedia listet nicht weniger als 69 Bearbeitungen der Suite oder Auszügen daraus auf, darunter unter anderem für russisches Folklore-Ensemble, A-Cappella-Ensemble oder Blechbläser-Quintett. Die bekannteste Bearbeitung aber ist die Orchestrierung von Maurice Ravel von 1922. Und diese Fassung war es schließlich auch, die Mussorgskys Namen und seine "Bilder einer Ausstellung" in der ganzen Welt berühmt gemacht haben.

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