Die gesellschaftliche und vor allem wirtschaftliche Entwicklung in den entwickelten Industriegesellschaften hat eingangs des 21. Jahrhunderts eine Eigendynamik gewonnen, die Hektik und sinnlose Hast in alle Lebensbereiche hineinträgt und dabei jedes natürliche und insbesondere menschliche Maß ignoriert. Kurz: es herrscht ein Streben der Berufswelt nach Komplexität, Effektivität, Hast, Hektik, schneller, höher, weiter. Gegen diese Be-schleunigung soll Ent-schleunigung helfen. Dabei geht es nicht einfach um „Langsamkeit“ als Selbstzweck, sondern um angemessene Geschwindigkeiten und Veränderungen in einem umfassenden Sinn: im Umgang mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der umgebenden Natur. So sagen es die Leute, die Ahnung davon haben.

Aber ist das wirklich neu? Der geneigte Leser wende seinen Blick auf die Satzüberschrift, die Beethoven dem einleitenden Allegro ma non troppo seiner 6. Symphonie mit auf den Weg gegeben hat: „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“. Und „heiter, fröhlich“ (Allegro), „aber nicht zu sehr“ (ma non troppo) ist eine sehr passende Tempobezeichnung für diesen Satz. Keine vordergründige, äußerliche Volksfestfreude, sondern – „Mehr Ausdruck der Empfindung als Mahlerey“ – eine eher in sich gekehrte, in sich horchende Freude verbreitet dieser Satz. Es ist ein wenig wie das Gefühl, nun alles Bedrückende und Beengende hinter sich gelassen zu haben und im Urlaub an-gekommen zu sein. Also, setzen Sie sich gemütlich hin und genießen Sie ein knappes Viertelstündchen Urlaub. Immerhin haben ja auch gerade die Sommerferien begonnen.

Charakteristisch für die pastorale Grundstimmung ist am Beginn der Pastorale die liegende Quinte (ausgeführt von den Celli und Bratschen) zu der die Violinen ein ländlich klingendes Thema von 4 Takten intonieren. Beethoven wird übrigens das fallende Violinmotiv des zweiten Taktes „noch einige Male“ in diesem Satz verwenden. Überhaupt ist Wiederholung der entscheidende Kunstgriff Beethovens. Recht schnell

 
erscheint ein neues Thema, ein Nebenthema, ebenfalls in der Tonart F-Dur, dessen letzter Takt sich verselbstständigt und zehnmal(!) hintereinander gleichbleibend gespielt wird, ehe das Hauptthema wieder aufgenommen wird. In wenigen Takten wird hier – um Beethoven zu zitieren – die Natur nicht abgemalt, sondern die Empfindung, die beim Anblick der Natur im Menschen aufkommt, beschrieben: es ist dies Wärme, Behaglichkeit, Frieden. Das Seitenthema erklingt daher auch nicht im Gegensatz zum Hauptthema, sondern dient der Vertiefung der bis jetzt entstandenen Empfindung.

In der Durchführung wird Beethoven zum Tonmaler der Empfindung. Er hebt den 2. Takt des Hauptthemas (da isser wieder) heraus, und moduliert mit diesem ohne Übergang von B-Dur nach D-Dur. Ähnliches passiert mit diesem 2. Takt des Hauptthemas, wenn er von G-Dur nach E-Dur moduliert. Insgesamt wird hier in 73(!) Takten – mit einmaliger Unterbrechung durch das Hauptthema – ausschließlich dieses eine Motiv, der 2. Takt des Hauptthemas verwendet. In der Durchführung kommt auch das Nebenthema zu Gehör. Es wird bis zum Fortissimo geführt und steht glanzvoll am Ende dieses Formabschnittes, der mit einem Triller auf G die Reprise einleitet. In der Coda schließlich greift Beethoven das Hauptthema und das Epilog-Motiv auf. Letzteres gewinnt durch den triolischen Rhythmus eine Eigenständigkeit, die der dichterischen Idee des Satzes gerecht wird. Nicht das Spiel von Gegensätzen, sondern das Verwandeln und Neugruppieren kleiner melodischer Teile bestimmt den symphonischen Aufbau. Der zweite Takt des Hauptthemas (sic!) leitet dann den eigentlichen Schluss des Satzes ein und bringt ein Idyll, in dem die Klarinette als konzertierendes, das Fagott als Begleitinstrument auftritt.

Ulrich Witt


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