Natürlich ist die Entstehung einer Komposition häufig eine spanndene Geschichte. In diesem Fall ist aber die Geschichte des Textes zum Werk schon fast ein Krimi, der bis ins Mittelalter zurückreicht. „carmina burana“ ist nämlich eigentlich der Name einer Anthologie von 254 mittellateinischen, teils auch mittelhochdeutschen, altfranzösischen oder provenzalischen Lied- und Dramentexten, die 1803 in der Bibliothek des Klosters Benediktbeuern gefunden wurde. Aus dem Fundort leitet sich auch ihr Name ab, denn er bedeutet auf lateinisch nichts anderes als „Beurer Lieder“ oder „Lieder aus Benediktbeuern“. Trotz ihres Fundorts sind es fast ausnahmslos weltliche Texte, Sprüche über Liebe, Spiel und Wein oder Spottgedichte auf Vertreter von Klerus und Adel mit teils sehr derbem Inhalt. Diese Benediktbeurer Handschrift war lange unbekannt. Erst als das Kloster 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde, entdeckte sie der Bibliothekar Johann Christoph von Aretin, nahm den Codex entgegen allen konservatorischen Rücksichten als Reiselektüre an sich und schrieb bald an einen Freund, er freue sich, „eine Sammlung von poetischen und prosaischen Satyren, zumeist gegen den päpstlichen Stuhl“ entdeckt zu haben. Wie diese Texte jedoch in die Bibliothek von Benediktbeuren kamen... ein Rätsel.

Johann Christoph von Aretin sorgte schließlich 1806 für erste (Teil-)Ausgaben der carmina burana, und es geschah - nichts. Trotz der teils sehr weltlichen Texte blieb den "Benediktbeurener Liebern" die öffentliche Aufmerksamkeit weitgehend versagt. Es bedurfte in gewisser Weise erst der Studenten der Studentenverbindungen, die carmina burana einem breiteren Publikum bekannt zu machen. 1876 legte Hermann Hagen eine (lateinische) Textauswahl vor, die als Ergänzung zu jedem Kommersbuch gedacht war. Auch die Auswahl, die Rudolf Peiper 1879 unter dem Titel „Gaudeamus!“ herausgab, zielte auf das gleiche Publikum ab. Und ebenfalls erst 1879, also über 75 Jahre nach dem Fund der Anthologie, erschien unter dem Titel "Golias. Studentenlieder des Mittelalters" eine erste Übersetzung einiger Texte durch den Münchner Dichter Ludwig Laistner - auch wieder mit der Ausrichtung auf die Studenten als Zielgruppe. Von dort aus schließlich verbreiteten sich die Texte, in dem die scheidenen Studenten sie mitnahmen und als Philister in die bürgerliche Gesellschaft einführten.
 
1935, also sage und schreibe über 130 Jahre nach dem Auffinden, stieß der Komponist Carl Orff war 1935 auf die lateinischen Texte und beschloss, Auszüge daraus zu einer „szenischen Kantate“ zu formen, die schließlich als "carmina burana" 1937 in der Oper zu Frankfurt am Main uraufgeführt wurde. Orff wählte dabei 24 der Lieder aus, gliederte sie in drei Hauptteile (1. Teil: Primo vere, Ûf dem anger [Erwachen des Frühlings, Liebe], 2. Teil: In taberna [opulentes Gelage], 3. Teil: Cours d'amour und Blanziflor et Helena) und rahmte das Werk mit einem mächtigen Chor zu Ehren der Schicksalsgöttin Fortuna („Fortuna Imperatrix Mundi“) ein. Besonders der Eingangschor O fortuna sollte alsbald zu einem der populärsten Stücke ernster Musik des 20. Jahrhunderts werden.

Orff ging mit dem vorgefundenen Textmaterial recht frei um. So benutzte er von mehreren Gedichten nur Teile oder Einzelstrophen für sein Chorwerk. Auch folgte er nicht den oft sehr komplizierten Metren der Lieder, Sequenzen und Leichs der Handschrift, sondern erfand ganz neue, oft mitreißende und tänzerische Rhythmen zu den alten Texten. Musikalisch ist das Chorwerk von raffinierter Schlichtheit: In konventioneller oder archaisierender Harmonik setzt es ganz auf die Kraft seiner Melodien, deren Simplizität bisweilen an die von Abzählversen erinnert. Aufschließung und Fortentwicklung von Motiven gibt es ebenso wenig wie eine Kontrapunktik im eigentlichen Sinne. Die rasche Popularität der Kantate schließlich war auch der Grund für die heute erklingenden Bearbeitungen des in der Besetzung sehr groß angelegten Werkes. Orffs Schüler Wilhelm Killmayer schuf 1956 mit der Autorisation seines Lehrers die reduzierte Version für Solisten, gemischten Chor, Kinderchor, zwei Klaviere und Schlagzeug. 1981 schließlich veröffentlichte Friedrich K. Wanek seine Bearbeitung von fünf Sätzen aus der "carmina burana" für zehn Bläser - und offenkundig war Orff auch mit der Version zufrieden, denn auch dieser gab er seine Autorisation.

Ulrich Witt


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