Ist es nicht spannend? In der Gruppe VIId des Hoboken-Verzeichnisses findet man dieses "2. Hornkonzert" mit der laufenden Nummer 4, was eigentlich bedeutet, dass es das 4. Konzert ist. Und wenn man im Handel das Hornkonzert MH 53 von Michael Haydn erwirbt - bekommt man das gleiche Konzert angedreht. Kann Hoboken nicht bis "2" bzw. "4" zählen? Hat Michael bei Joseph geklaut? Oder umgekehrt? Was ist hier eigentlich los? Gut, der Reihe nach.

Fragen der Urheberschaft sind ein ständiges Problem in der Musik des ausgehenden 18. Jahrhunderts, auch und gerade bei den Hornkonzerten Joseph und Michael Haydns, denn Solohornmusik war nicht gerade eine "Spezialität" der Gebrüder Haydn. Für Joseph Haydn ist man sich in der Musikwissenschaft zumindest bei drei Werken in soweit einig, dass sie zweifelsfrei aus seiner Feder stammen. Das Hoboken-Verzeichnis listet sie in der Gruppe VIId unter den Nummern 1 bis 3 auf. So weit, so gut.

Nur: zwei davon sind verloren gegangen. Sowohl vom Konzert Hob. VIId:1 (in D-Dur komponiert) als auch vom Doppelkonzert Hob VIId:2 (in Es stehend und für zwei Hörner) weiß man nur, dass sie komponiert wurden. Gedruckte Stimmen (geschweige denn handschriftliche) sind nicht überliefert. Hoboken wusste aber um grundsätzliche Existenz und nahm diese beiden Konzerte folgerichtig in sein Verzeichnis auf - eben als VIId:1 bzw. VIId:2. Das nächste Konzert, das wir heute noch in Stimmenform kennen (und übrigens aus dem Jahre 1762 stammt), hängte er als VIId:3 hinten an. Inzwischen hat man jedoch die Hoffnung aufgegeben, die fehlenden Konzerte noch zu finden, und so hat sich eingebürgert, dieses dritte Konzert als "Konzert Nr. 1" zu bezeichnen, auch weil es vermutlich wirklich in der Kompositionsreihenfolge das 1. Konzert ist. Sofern es also ein weiteres, vollständig überliefertes Konzert von Joseph Haydn gibt, so wäre es - logisch richtig - das "2. Konzert" mit der Hoboken-Nr. VIId:4. Und damit kommt das heutige Konzert ins Spiel.

Es ist als vollständiger handschriftlicher Stimmensatz in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden erhalten geblieben und trägt als Zuordnung Signore Hayden. 1781 tauchte im Supplement zu Breitkopfs Verlagskatalog dieses Hornkonzert ebenfalls als eine Komposition von Hayden auf, und man möchte selbst fast sagen "Jepp, Hornkonzert von Haydn, klingt nach Haydn, ist Haydn, wird aufgenommen." Tatsächlich nimmt man

 
heute an, dass Hoboken aufgrund des Supplements das Konzert eben Joseph Haydn zuschrieb und es als VIId:4 in sein Verzeichnis aufnahm. Da es das zweite Konzert ist, dass wir heute auch "als echte Überlieferung" kennen, ist es eben das "2. Hornkonzert" von Joseph Haydn. Bon!

Nur: Weder das Titelblatt des Dresdner Konvoluts nur das Supplement nennt einen Vornamen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dresdner Noten zur sog. "Sammlung Exner" gehören, die in Fachkreisen als "notorisch unzuverlässige Quelle für Haydns Konzerte" angesehen wird. Wir wissen also genau genommen nur, dass das Hornkonzert von einem Haydn ist, aber nicht von welchem. Es ist genauso möglich, dass Michael gemeint ist - vor allem, wenn man weiß, dass eben auch Michael Haydn Hornkonzerte schrieb (auch von ihm sind zwei konzertante Werke für Horn und Orchester hinterlassen, die als gesichert gelten: ein Concertino für Horn und Posaune (MH 68) sowie das dreisätzige Horn-Concertino in D-Dur (MH 134)). Aber wer von den beiden war nun der Komponist des Konzerts Hob VIId:4/MH 53? Die Frage ist selbst unter Wissenschaftlern umstritten.

Es gibt einige Indizen in der Schreibweise der Streicherstimmen, die derjenigen der frühen sog. "Grosswardeiner Sinfonien" von Michael Haydn ähnelt. Michael Haydn war ab 1757 Violinist und Kapellmeister des Bischofs von Großwardein (das heutige Oradea im Nordosten von Rumänien), und nachgewiesen ist, dass er sich in der Zeit auch mit dem Horn als Soloinstrument auseinandersetzte, denn 1762 machte Michael Haydn mit einem Hornkonzert in Wien auf sich aufmerksam (es war eine der Programmnummern der Akademie im Wiener Burgtheater) - und es kann sich dabei nicht um das oben genannte Horn-Concertino MH 134 handeln, denn dieses stamm erst aus dem Jahre 1777. Es gibt also gute Gründe, warum Sherman und Thomas, zwei Musikwissenschaftler, die 1993 ein Werkverzeichnis Michael Haydns herausgaben, sich entschlossen, dieses Konzert unter der Nr. MH 53 in ihren Katalog aufzunehmen.

Wie es auch immer sei - wir machen es uns einfach und spielen ein Hornkonzert von Haydn und sind damit der Wahrheit vermutlich ziemlich nahe.

Ulrich Witt


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