Der Begriff "Workaholic" ist mit Sicherheit keine Begriffe des 19. Jahrhunderts, aber unweigerlich kommt er einem in den Sinn, wenn man sich ein wenig mit Alexander Porfirjewitsch Borodin beschäftigt.

Am 12. November 1833 (gregorianischer Zeitrechnung) in St. Petersburg als unehelicher Sohn eines georgischen Fürsten geboren, erwies Borodin sich schon sehr früh als außerordentlich talentiert. Er erlernte - neben den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch - das Spiel auf dem Klavier, der Flöte und dem Cello und komponierte bereits mit 9 Jahren seine erste Polka. 17jährig begann er 1850 sein Studium an der Militärakademie für Medizin und Chirurgie in St. Petersburg, wo er bald auch seine lebenslange Leidenschaft für die experimentelle Chemie entdeckte. 1856 bestand er sein Examen mit Auszeichnung und nur zwei Jahre später auch seine Promotion über die chemischen und toxikologischen Eigenschaften der Phosphor- und Arsensäuren, und hatte auch noch Zeit dafür, sich parallel noch mit Wasser- und Brunnenuntersuchungen in der Provinz zu beschäftigen - selbstverständlich ohne das Klavierspiel und das Komponieren dafür aufzugeben. Es wundert kaum, dass er als bester Absolvent der Akademie 1859 zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse der experimentellen und klinischen Chemie für zwei Jahre ins Ausland geschickt wurde. Sein erstes Ziel war das Laboratorium von Emil Erlenmeyer (der mit den Kolben) in Heidelberg. Er traf dort übrigens nicht nur die schon damals weltberühmten Wissenschaftler Friedrich August Kekulé, Dmitri Iwanowitsch Mendelejew, Iwan Michailowitsch Setschenow und Sergei Petrowitsch Botkin, sondern auch seine spätere Frau, die brillante junge Pianistin Jekaterina Protopopowa, in die er sich Hals über Kopf verliebte. Nach seiner Rückkehr an die Akademie in St. Petersburg erhielt er im Jahre 1862, im Alter von 29 Jahren, eine Professur für organische Chemie.

In der folgenden Zeit wurde sein Forscherdrang nicht geringer. Borodin erforschte organische Reaktionen und Verbindungen, entwickelte eine noch heute wichtige Labormethode zur analytischen Harnstoffbestimmung in der Medizin, half bei der Etablierung der Synthese der fluororganischen Verbindungen, publizierte über die Geschichte der Fluorverbindungen und über das Fluorbenzoyl, erlangte Bedeutung durch seine Untersuchungen auf dem Gebiet der Polymerisation und Kondensationsreaktion der Aldehyde und entdeckte im Jahre 1872 die Aldol-Addition. Heute noch in der Chemie bekannt sind die nach ihm benannten "Borodinsche Silberdecarboxylierung" und die "Hunsdiecker-Borodin-Reaktion". Kurz: all das reicht eigentlich schon für ein sehr erfülltes Leben.

Unglaublich erscheint dabei die Tatsache, dass seine Berühmtheit weniger auf seinen wissenschaftlichen, denn mehr auf seinen kompositorischen Tätigkeiten beruhen. In einem Brief an seine Frau beschreibt er "die Schwierigkeit, zu ein und derselben Zeit sowohl ein Glinka als auch ein Stupischin (ein Staatsbeamter), ein Wissenschaftler, ein Regierungsbeauftragter, ein Künstler, ein Staatsbeamter, ein Philanthrop, ein Vater von Kindern anderer Leute, ein Arzt und invalid zu sein... Am Ende wird man nur das letzte." Borodin schonte sich in der Tat nicht, obwohl er

 
aufgrund einer 1885 durchgemachten Cholera an Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, Apathie und Herzschwäche litt. Der Tod seines Freundes Franz Liszt belastete ihn zusätzlich. So kam es, dass er am 27. Februar 1887 auf einem Faschingsball gegen Mitternacht zusammenbrach und starb. Sein Herz hatte der Belastung nicht mehr standgehalten.

Zu diesem Zeitpunkt lag seine 3. Symphonie, wie so viele andere seiner Werke auch, nur unvollendet vor. Der zweite Satz war zwar vollständig, aber vom 1. Satz existierten nur Skizzen, und schriftliches Material zu den anderen Sätzen gab es gar nicht. Im Kopf aber muss Borodin seine Symphonie schon ausgearbeitet haben, denn er hatte sie nur wenige Tage vor seinem Tod seinen Freunden auf dem Klavier vollständig vorgespielt. Und dieser Freundeskreis war beileibe kein Kreis von Dilletanten. Bereits 1858 hatte Borodin am St. Petersbuger Militärlazarett Modest Mussorgski kennen gelernt. 1864 kam er mit Mili Balakirew zusammen, und durch ihn lernte Borodin die beiden Komponisten César Cui und Nikolai Rimski-Korsakow kennen. Die "Gruppe der Fünf", das "Mächtige Häuflein" (oder die "Novatoren", wie sie sich selbst nannten) war komplett. Sie alle einte der Wunsch nach einer nationalrussischen Musik in der Nachfolge Michail Glinkas, auch wenn sich ihr epischer romantischer Stil sich am ehesten mit dem Richard Wagners vergleichen ließe.

Im Jahre 1869 wurde Borodins erste Sinfonie, dirigiert von Balakirew, aufgeführt. Die Premiere seiner zweiten Symphonie war zunächst ein Fehlschlag, aber als Franz Liszt 1880 in Baden-Baden eine weitere Aufführung unter der Leitung von Wendelin Weißheimer arrangierte, kam Borodin auch außerhalb von Russland zu einigem Ruhm. 1869, im Jahr seiner 1. Symphonie, begann Borodin auch mit der Arbeit an seiner heroischen Oper „Fürst Igor“, mit den berühmten „Polowetzer Tänzen“. Dieses Werk, dessen Libretto der Komponist selbst aus dem mittelalterlichen Igorlied zusammenstellte, wird häufig als sein bedeutendstes angesehen. Es blieb bis zu seinem Tode unvollendet, was wohl auf Borodins immense Arbeitsbelastung als Forscher zurückzuführen ist. „Fürst Igor“ wurde später von Alexander Glasunow und Nikolai Rimski-Korsakow vollendet und orchestriert. Glasunow war es auch, der sich auf Basis des vorhandenen Materials um die Vervollständigung seiner 3. Symphonie kümmerte.

Besonders eindrucksvoll wird bei dem Werk Borodins Meisterschaft im Umformen und Manipulieren von thematischem Material deutlich. Unfassbar aber bleibt, wie er neben seinem Wirken als Wissenschaftler auch noch seine Leidenschaft für Musik und für Komposition ausleben konnte. Vielleicht liegt der Schlüssel in den Worten, die er einmal selbst fand, um dieses Phänomen zu beschreiben: „Für andere ist die Komposition Aufgabe, Arbeit, Pflicht, bedeutet sie das ganze Leben; für mich ist sie Ruhe, Spaß, eine Laune, die mich von meinen offiziellen Pflichten als Professor, Wissenschaftler ablenkt.“ Mit anderen Worten: Komponieren war seine "Freiheit".

Ulrich Witt


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