Bereits am 1. November 1923, also rund vier Monate vor der Uraufführung der Rhapsody in Blue, hatte der Bandleader Paul Whiteman ein Konzert in der Aeolian Hall veranstaltet, das Jazz und Klassik einander gegenüberstellte. Es war ein passabler Erfolg, so dass Whiteman beschloss, ein noch ambitionierteres Projekt in Angriff zu nehmen. Dieses sollte am 12. Februar 1924 stattfinden. Hierzu forderte Whiteman den gerade mal 25jährigen Gershwin (beide kannten sich, weil sie beide bereits erfolgreich an einer Broadway-Oper zusammen gearbeitet hatten) auf, dafür ein Jazzstück für Orchester zu schreiben. Gershwin lehnte den Vorschlag ab, auch weil er wenige Tage später, am 7. Januar, eine Probevorstellung seines neuen Musicals Sweet Little Devil geben und eventuellen Änderungswünschen vor der Premiere am 21. Januar nachkommen musste.

Am Abend des 3. Januar 1924 spielte Gershwin mit seinem Freund und Kollegen Buddy DeSylva in der Nähe des Broadway Billard, während sein Bruder Ira Gershwin die Ausgabe des nächsten Tages des New York Tribune las. In einem Artikel mit der Überschrift What Is American Music? (zu deutsch etwa: Was macht amerikanische Musik aus?) über das Konzert von Whiteman wurde angekündigt, dass George Gershwin an einer Jazzkomposition für diese Vorstellung arbeite.

Bei einem Telefonat mit Gershwin am nächsten Morgen erklärte Whiteman, dass sein Rivale Vincent Lopez ihm die Idee seines experimentellen Konzertes stehlen wolle und deshalb keine Zeit mit Diskussionen zu verlieren sei. Gershwin, derart in die Ecke gedrängt, ließ sich schließlich zur Komposition überreden. Da nur noch fünf Wochen Zeit bis zur Aufführung waren, begann er umgehend damit und arbeitete einige Wochen unter Hochdruck daran, bevor er Whitemans Arrangeur Ferde Grofé schließlich ein Manuskript für zwei Klaviere übergab.

Bereits das erste Manuskript, das auf den 7. Januar 1924 datiert ist, enthält Bemerkungen zur Instrumentation, allerdings in der Form, dass Gershwin an die entsprechenden Stellen die Namen der Solisten eintrug. Grofé instrumentierte das Werk anscheinend mit Rücksicht auf die individuelle Stilistik, Stärken und Techniken der einzelnen Orchestermitglieder. Am 4. Februar 1924, nur acht Tage vor der Premiere, beendete er die Orchestrierung.

Die Aufführung selbst gestaltete Paul Whiteman und sein Palais Royal Orchestra. Das Konzert sollte im Rahmen eines Musikabends unter dem Titel An Experiment in Modern Music geboten werden. Namhafte Musiker, darunter Strawinsky, Rachmaninow, Leopold Stokowski, Jascha Heifetz und Fritz Kreisler, Musikkritiker und Intellektuelle waren erschienen, um es sich anzuhören. 26 verschiedene Stücke wurden aufgeführt, darunter Edward Elgars Pomp and Circumstance March No. 1 und heute kaum noch bekannte Kompositionen wie True form of Jazz und Contrast: legitimate scoring vs. jazzing.

Die Rhapsody in Blue war das vorletzte Stück. Bis dahin war das Publikum schon äußerst unruhig, da sich viele Werke ähnlich angehört hatten

 
und obendrein das Lüftungssystem der Aeolian Hall ausgefallen war (heute gilt der Abend aufgrund der Premiere der hier besprochenen Komposition als legendär). Gershwin spielte den Klavierpart selbst. Da er keine ausnotierte Klavierpartitur besaß und Grofé ihm wegen des Zeitdrucks nur eine Bandpartitur mit den hingekritzelten Worten Wait for nods („Warte, bis dir einer zunickt“) aushändigen konnte, ist die Version der Uraufführung heute nicht mehr zu rekonstruieren.

Grofé arbeitete nach der Premiere in den Jahren 1926 und 1942 zwei weitere Partituren der Rhapsody in Blue aus, beide für ein jeweils vergrößertes Orchester. Die jüngere Version wird im heutigen Repertoire mit Abstand am häufigsten gespielt. Die Premiere war mit Flöte, Oboe, Klarinetten, Heckelphon, mehreren Saxophonen, zwei Hörnern, zwei Trompeten, zwei Flügelhörnern, Euphonium, zwei Posaunen, Bassposaune, Tuba, zwei Klavieren, Celesta, Banjo, Schlagzeug, Pauke, mehreren Violinen, Kontrabass und Akkordeon besetzt. Paul Whitemans damals schon aus dreiundzwanzig Musikern bestehende Band wurde zusätzlich um weitere neun Personen verstärkt. Und dennoch war es notwendig, dass mehrere Musiker der Band zwei oder mehr Instrumente übernahmen. Die Partitur von 1942, die auch Grundlage der heutigen Aufführung ist, ist nicht weniger bescheiden: sie verlangt neben dem Soloklavier zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, Bassklarinette, zwei Fagotte, drei Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Timpani, Percussion (Cymbal, Snare Bassdrum, Triangel, Gong und Glocken), Klavier, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Baritonsaxophon Banjo und einer Streichergruppe (Violinen, Bratschen, Cello und Kontrabass) gesetzt.

Die Rhapsody in Blue fand nahezu direkt mit der Premiere Aufnahme in den Repertoirebetrieb der Konzerthäuser. Trotz durchwachsener Kritiken und Skepsis von Seiten der Kunstmusiker war das Stück beim Publikum sofort sehr beliebt. Bereits 1925 war es in Brüssel und 1926 in Paris in der Fassung für zwei Klaviere zu hören.

Gershwin griff das Erfolgsrezept der Rhapsody in Blue schon ein Jahr später auf, und verfasste einem Auftrag der New York Symphony Society folgend mit dem Concerto in F for Piano and Orchestra ein Klavierkonzert, das erneut Jazz und Klassik verband.

Auch Paul Whiteman zehrte noch lange vom Ruhm, den Gershwin ihm mit dieser Komposition beschert hatte. Am Ende des Jahres 1924 hatte er das Stück – elf Monate nach der Uraufführung – bereits 84 Mal aufgeführt und die Aufnahme eine Million mal verkauft. Später wurde das Stück das Erkennungsthema seiner Band. Whitemans Radio-Sendung begann stets mit dem Slogan Everything new but the Rhapsody in Blue.

Bis heute ist die Rhapsody ein Publikumsmagnet geblieben, auch weil ihre beschwingte Leichtigkeit eine willkommene Abwechslung zum oft intellektuell fordernden Werkekanon der übrigen klassischen Musik ist. Eben ganz wie die Blauen Sänger...

Ulrich Witt


Unser Chor

steht auch Studierenden mit weniger Chorerfahrung offen, denn auch ihnen möchten wir die Möglichkeit bieten, im Gesang einen Ausgleich zum Studium zu finden.

Unser Orchester

hat einen Faible für eher selten gespielte und unbekannte Werke aus allen Epochen, macht aber trotzdem um Haydn und Schubert keinen Bogen. Und als einziges der Orchester in Göttingen gibt es bei uns kein Vorspielen.

Unser Theater

bietet die Möglichkeit, sich im darstellenden Bereich auszuprobieren. Denn bei uns stehen die Freude am Spiel und die Sammlung von Theatererfahrung im Vordergrund.

Unsere Big Band

swingt und groovt, was das Zeug hält - und hat gerade beim 8. internationalen BigBand-Contest "Swingin´ Saxonia" in der Kategorie "Amateure" den zweiten Platz gewonnen!

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies zur Benutzerführung und Webanalyse. Die Cookies sollen uns dabei helfen, diese Webseite besser zu machen.
Wir wollen damit aber weder Geld verdienen noch sie an andere weitergeben. Weitere Informationen stehen in unserer Datenschutzerklärung.