Jaja, Papa Haydn: gütig, rechtschaffend, artig. So war er, der Papa Haydn. NIX IS! Geschäftstüchtig, ja gerissen, trifft es fast besser! Oder würden Sie es nennen, wenn ein Komponist einem Verleger sechs Symphonien anbietet mit der Beteuerung, dass der Verleger "ganz allein damit bedient werden" solle, er die Symphonien zuvor aber schon längst an den Auftraggeber verkauft hat (selbstverständlich nebst dem alleinigen Recht, sie auch zu verlegen) - und vor allem, wen er die gleichen sechs Symphonien anschließend noch einem dritten Verlag verkauft, und zwar - und jetzt kommt's - "exklusiv"? Aber der Reihe nach.

Bekanntlich war Haydn der Hofkompositeur des Fürsten Esterházys, und ursprünglich waren seine Kompositionen nur „für Ihro Durchlaucht eintzig und allein“ bestimmt. Haydn hatte dennoch alsbald begonnen, seine Werke an Verleger zu verkaufen (seine Geschäftstüchtigkeit machte sich früh bemerkbar). Dem Fürsten Esterházy wird dieses vermutlich nicht entgangen sein, aber die Verkaufszahlen und der entstehende Ruhm Haydns fiel auch auf sein Ansehen zurück. Er war ja immerhin der Fürst, der einen der angesehensten Komponisten als seinen Bediensteten bezeichen konnte, weshalb er bei Haydn auch "ein Auge zudrückte" und 1779 schließlich ganz auf sein Privilieg verzichtete. Und wie geschäftstüchtig Haydn war, lässt sich auch daran sehen, dass im Jahre 1780 in den Pariser "Concert spirituel" schon 20% aller Symphonien solche von Haydn waren. Bis 1783 stieg der Anteil auf unglaubliche 73%, hielt sich auch in den Folgejahren in der Regel bei gut 60% und schoss 1788 schließlich auf 90%. Haydn Symphonien waren nicht nur populär, sie galten bei den Kritikern auch als Muster, an denen die Werke anderer Sinfoniker zu messen waren.

Es wundert also nicht, dass Claude-Francois-Marie Rigoley, ein Mitbegründer der Pariser Konzertreihe „Concert de la Loge Olympique“, im Jahre 1784 (vielleicht auch erst Anfang 1785, so genau lässt es sich nicht mehr nachzeichnen) bei Haydn sechs Symphonien in Auftrag gab. Allein schon dieses kam einem Ritterschlag für Haydn gleich, denn die Logen-Konzerte (sie wurde von der vornehmen und reichen Freimaurerloge "de la Parfaite Estime & Société Olympique" getragen) waren nicht nur die wichtigste Pariser Konzertreihe neben der „Concert spirituel“, sie fanden auch in der "Salle des Cent-Suissses" in den Tuilerien, also im

 
Stadtschloss der französischen Herrscher, statt. Hierfür erhielt Haydn auch ein stattliches Honorar in Höhe von 65 Louis d'or, was umgerechet heute grob etwa 15.000 € entsprechen würde. Pro Symphonie natürlich, also 390 Louis d'or.

Natürlich verkaufte Haydn die Verlagsrechte gleich mit (exklusiv natürlich), und zwar an den Geiger, der am ersten Pult der zweiten Geige saß, nämlich den Verleger Jean-Jérôme Imbault, der Haydns Pariser Sinfonien 1788 im Druck veröffentlichen sollte (und dies natürlich auch tat). Dieses Exklusivrecht galt jedoch nur für Frankreich; insofern konnte er die Werke problemlos auch an den Wiener Verleger Artaria verkaufen. Allerdings war Haydns Versicherung, Artaria solle "ganz allein damit bedienet werden" ebenso eine Lüge wie die Versicherung gegenüber dem Londoner Verleger Forster, dass die Symphonien "noch nicht aus meiner Hand gegeben" worden seien. Freilich musste ein Komponist wegen des mangelnden Urheberrechts am Ende des 18. Jahrhunderts zusehen, dass er seine Siymphonien möglichst an Verleger verkaufte, bevor diese sich an Raubkopien bedienen konnten (oder die Ausgabe eines Konkurrenten einfach nachstechen ließen); insofern wird man die modernen verwertungsrechtlich-moralischen Maßstäbe schwerlich anlegen dürfen. Und er tat auch ganz recht damit, denn als Haydn bereits mit Artaria in Verhandlungen stand, versuchte offenbar ein Unbekannter, ein Geschäft mit unrechtmäßig erworbenen Kopien zu machen, indem er sie ausgerechnet Artaria anbot.

Der Beinamen "La Reine", als "Die Königin", stammt übrigens nicht von von Haydn selbst. Er basiert auf dem Untertitel „La Reine de France“ in der Erstausgabe des Werkes vom Verleger Imbault. Gemeint ist - natürlich - die französische Königin Marie Antoinette, die, so wird kolportiert, diese Symphonie besonders geschätzt haben soll, auch weil der langsame Satz auf dem französischen Volkslied "La gentille et jeune Lisette" basiert, das (angeblich) zu den Lieblingsliedern der Königin gehörte. Man merkt: viel Gemunkel, nichts Genaues. Nur eines weiß man: Geschäftstüchtig war er, der Herr Haydn.

Ulrich Witt


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