Frederic ist acht Jahre alt, und Ruth, sein Kindermädchen, soll ihn nun im Auftrag der Eltern zu einer "pilot school" (= Lotsenschule) bringen. Dumm nur, dass Ruth ein elementares Problem mit ihrem Gehör hat und Frederic bei einer "pirate school" abliefert. Man ahnt es schon: es kann sich bei dieser Vorgeschichte nicht gar nicht ernsthaft zugehen. Und spätestens, wenn man das Schlagwort "Gilbert und Sullivan" hört, erwartet man das auch gar nicht, steht es doch geradezu sinnbildlich für "englische komische Oper des 19. Jahrhunderts". Und sie waren damit erfolgreich: 14 komische Opern brachten der Librettist Gilbert und der Komponist Sullivan auf die Bühne, und ihre Werke zählen noch heute zum Standard-Repertoire englischer und amerikanischer Opern- und Musicalhäuser. Allein die Broadway-Inszenierung von 1981 brachte es auf unglaubliche 787 Vorstellungen.

Doch wer Arthur Sullivan nun den Stempel eines "seichten Komponisten" aufdrücken will, der irrt. Vielmehr gilt er "als der herausragendste britische Musiker des 19. Jahrhunderts", der mit seinen Kompositionen und seinem kulturpolitischen Engagement dem Musikleben seines Heimatlandes entscheidende neue Impulse gab. Er prägte mit seinen Opern, Liedern und Chorwerken die Musikbegeisterung nachfolgender Generationen und legte wichtige Grundlagen für die neue Blütezeit der englischen Musik um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Zwar werden seine dramatischen Kantaten im Gegensatz zu seinen komischen Opern deutlich seltener aufgeführt, aber sie sind dennoch für die Entwicklung der englischen Chormusik wesentliche Bindeglieder von Felix Mendelssohn Bartholdys Elias bis hin zu Edward Elgars Kantaten und William Waltons Belshazzar’s Feast. Kein Wunder, wenn man die grundsolide Ausbildung betrachtet, die Sullivan genoss.

Der 1842 geborene Arthur Sullivan kam durch seinen Vater, einem Militärkapellmeister und Musikpädagogen, schon von Kindesbeinen an mit Musik in Berührung. Im Alter von zwölf Jahren wurde Sullivan Mitglied der Chapel Royal in London und avancierte durch seine gute Stimme alsbald zum „first boy“ des Chores. Bereits zwei Jahre später setzte seine musikalische Ausbildung ab 1856 an der „Royal Academy of Music“ in London fort. Seine Lehrer erkannten sein Talent und ermutigten ihn zu Kompositionen, was prompt dazu führte, dass er noch im gleichen Jahr (übrigens als jüngster Teilnehmer) den erstmals ausgeschriebenen Mendelssohn-Wettbewerb gewann, was ihm nach zwei weiteren Ausbildungsjahren an der Royal Academy of Music ermöglichte, von 1858 bis 1861 am Konservatorium Leipzig zu studieren (u.a. bei Ignaz Moscheles und Carl Reinecke). Dort entschied Sullivan, der auch ein vielbeachteter Pianist und Dirigent war, sich in erster Linie dem Komponieren zu widmen. Das Leipziger Kulturleben bot vielfältige Anregungen; unter anderem lernte Sullivan Franz Liszt kennen, der ihn im Dezember 1858 zur Uraufführung von Peter Cornelius’ Der Barbier von Bagdad nach Weimar einlud.

Nach dem erfolgreichen Abschluss 1861 katapultierte die Londoner Aufführung seiner Bühnenmusik zu William Shakespeares The Tempest (Der Sturm) im April 1862 Sullivan in die vorderste Reihe englischer Komponisten. Sullivan etablierte sich als Komponist von Orchester- und Vokalwerken, schuf Auftragsarbeiten für die großen Musikfestivals des Landes wie das „Three Choirs Festival“ in Worcester (1869), Kenilworth (1864) 

 
und für Birmingham (1873). Außerdem entstanden ein großes Te Deum zur Genesung des schwer erkrankten Prince of Wales sowie zahlreiche Liedkompositionen, Kammermusiken und größere Orchesterwerke (u.a. mehrere Konzertouvertüren, Bühnenmusiken zu Shakespeare-Dramen, ein Cello-Konzert und eine Symphonie in E-Dur "Irish", die 1866 von Presse und Publikum begeistert aufgenommen wurden).

Sullivan beließ es aber nicht nur bei seiner kompositorischen Arbeit. Zur Förderung des englischen Nachwuchses gründete er 1876 die National Training School for Music, der er bis 1881 vorstand, bevor das Institut dann 1882 in das „Royal College of Music“ integriert wurde. Sullivan nutzte seine Popularität zum kulturpolitischen Engagement für die Pflege des Musiklebens. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge sowie 1879 den Ehrendoktortitel der Universität Oxford. Er wurde 1885 bis 1888 Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft und von 1881 bis 1898 war er zudem künstlerischer Leiter des Musikfestivals in Leeds, wo er das Publikum nicht nur mit den Klassikern, sondern auch mit Werken englischer Kollegen und mit zeitgenössischer Musik vertraut machte.

Durch seinen gestiegenen Lebensstandard und seine Kontakte zur High Society und der königlichen Familie benötigte Sullivan jedoch eine substanzieller Einkommensquelle, die nur das Unterhaltungstheater bieten konnte, nicht aber die Musikerziehung und das Komponieren von Oratorien und Symphonien. Der ersten Arbeit für die Bühne, dem Ballett L’Ile enchanteé (1864), folgten mit dem Einakter Cox and Box (1866) und der zweiaktigen Oper The Contrabandista (1867) bald frühe Versuche auf dem Gebiet der komischen Oper. Doch erst die Zusammenarbeit mit dem Dramatiker William Schwenck Gilbert führte zu künstlerisch anspruchsvollen Ergebnissen. Schließlich gelang es dem Impresario Richard D’Oyly Carte (1844-1901), die Kooperation beider auf eine solide Grundlage zu stellen. Carte, Spross einer französisch-englischen Familie, war zunächst als Mitarbeiter bei dem Instrumentenhersteller Rudall, Carte & Co. tätig, gründete aber bald darauf eine eigene Künstler- und Konzertagentur. 1870 wurde Carte Manager im Royalty Theatre in Soho, das die Sängerin Selina Dolaro finanzierte, die dort vor allem selbst in den neuesten französischen Opéras bouffes (= komische Oper) brillieren wollte. Carte hegte indes Pläne, eine nationale englische (komische) Oper in einem eigenen Theater zu etablieren. Bereits das erste Werk von Sullivan und Gilbert für Carte, die einaktige Oper Trial by Jury (1875), wurde ein durchschlagender Erfolg und bildete den Grundstock für ein bis heute nahezu einzigartige Karriere von Gilbert, Sullivan und Carte.

Sullivans Spagat zwischen Theater, Kirche und Konzertsaal brachte ihm allmählich aber auch die Kritik ein, sein Talent an Unterhaltungsmusik zu verschwenden. Daher schrieb Sullivan – inspiriert von Hector Berlioz – parallel weiter an dramatischen Kantaten wie The Martyr of Antioch (1880) und The Golden Legend (1886) für das Musikfestival in Leeds. Mit Erfolg, denn für seine Kantaten und Orchestermusik sowie seine Verdienste um das englische Musikleben empfing er im Mai 1883 den Ritterschlag von Königin Viktoria.

Ulrich Witt


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