Ihr seid im Göttinger Burschireader erwähnt. Was sagt Ihr dazu?

Nun, dieser Burschireader berichtet zunächst einmal über alle Verbindungen, und nicht nur über die Blauen Sänger. Da die Blauen Sänger aber zu andere Verbindungen gar keinen bis rudimentären Kontakt pflegen, können wir nichts zum tatsächlichen Wahrheitsgehalt der Texte insgesamt sagen - mit einer Ausnahme: dem Text zu den Blauen Sängern und zum SV. Dazu können wir durchaus was sagen. Also, schauen wir uns das Ganze mal an...

Die Quelle

Fangen wir mal mit dem Text selbst an, damit auch klar ist, um was es überhaupt geht.

Im Burschireader lässt sich unter der dortigen Überschrift “Sondershäuser Verband akademisch-musikalischer Verbindungen” [Link] folgender Text finden:

"Der 1867 gegründete Sondershäuser Verband (SV) ist ein Zusammenschluss von 22 "musischen" Studentenverbindungen aus dem deutschsprachigen Raum. Konzerte und gemeinsames Musizieren prägen das Bundesleben der SV-Korporationen. Traditionen wie das Lebensbundprinzip werden auch hier gepflegt. Grundsätze sind "Lied, Freundschaft, Vaterland". Unter "Vaterland" versteht der SV "die Bereitschaft seiner Mitglieder, sich im Rahmen einer rechtsstaatlichen Ordnung für ihr Land und seine Menschen einzusetzen".

Der Verband ist nicht-farbentragend, lehnt das studentische Fechten seit 1951 ab. Nationalität und Religion spielen bei der Aufnahme von Mitgliedern angeblich keine Rolle.

In Göttingen gehört die Studentische Musikvereinigung Blaue Sänger (Düstere-Eichen-Weg 26), die auch Frauen aufnimmt, dem SV an. Über ihre wechselvolle Geschichte, zu der auch eine Periode als "Kameradschaft Schlageter" während des Nationalsozialismus zählt, schreibt Ulrich Witt auf der Homepage der Blauen Sänger, dass die Wandlungen "nicht immer zum Vorteil" geschahen.

Außerdem beklagen sich die Blauen Sänger auf ihrer Homepage darüber, von der Universität nicht als Kultureinrichtung anerkannt zu werden. Sie sind aber nicht bereit, sich von ihrer Tradition als studentische Verbindung zu lösen."

Soweit der Text.

Falsches und Richtiges

Wenn man mal versucht, zwischen all dem ideologisch Verbrähmten die - leider nur sparsam vorhandenen - Fakten zu suchen, so könnte man sagen, dass sie im Grunde genommen - fast - richtig sind. Aber leider eben auch nur fast.

  • Falsch ist z.B., dass der Sondershäuser Verband das "studentische Fechten" (also die Mensur) erst seit 1951 ablehnt. Er tat es schon immer. Diese strikte Ablehnung war z.B. auch der Grund, warum es nicht schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts einen Zusammenschluss aller akademischen Gesangvereine gab, gerade weil es zu keiner einheitlichen Linie der musikalischen Verbände kam. Der SV lehnte nämlich schon damals die Mensur ab.
  • Richtig ist, dass unser Bundesbruder Ulrich Witt (der sich im Übrigen dafür bedankt, dass man ihn für zitierfähig hält) geschrieben hat, dass die geschichtliche Entwicklung der Blauen Sänger “nicht immer zum Vorteil” geschah. Man kann das tatsächlich auch nach wie vor in unserer Geschichte nachlesen, dort aber viel umfangreicher (Zitate sollte man nie aus dem Zusammenhang reißen).
  • Und ja: In der Tat beklagen wir deutlich, dass die Universität sich weigert, die Blauen Sänger mit ihrem kulturellen Engagement als "Kultureinrichtung" anzuerkennen. Wir sehen darin eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung gegenüber anderen kulturellen Einrichtungen wie z.B. der AOV (die ja auch ein freier Verein und nicht Teil der Universität ist). Die ist um so schwerwiegender, als die Universität eine Stiftung öffentlichen Rechts und damit als Teil des Staates des Gleichbehandlungsgrundsatzes des Art. 3 des Grundgesetzes unterworfen ist. Dieser verbietet, wesentlich Gleiches willkürlich ungleich (d.h. ohne sachlichen Grund). Einen Grund, uns in kultureller Hinsicht anders als andere studentische Organisationen zu behandeln, konnte uns die Universität jedoch nie nennen.
  • Und ja: Wir sehen das nicht nur isoliert für uns, sondern wir würden diese Gleichbehandlung auch für jedes andere Kulturprojekt einfordern, egal welcher Orientierung.

Aber zurück zum Burschireader.

Bewertung

Bedauerlich finden wir, dass sich die Autoren ganz offensichtlich überhaupt keine Mühe gegeben haben, Informationen zu sammeln, sondern nur oberflächliche Informationen wiedergeben können. Ein sehr gutes Beispiel ist die Frage, wie das denn bei uns mit "Nationalität und Religion" ist. Mit einfachsten Methoden wäre herauszufinden gewesen, ob das bei uns nur "angeblich" kein Problem ist oder ob das tatsächlich so ist. Dies ist um so bedenklicher, als die Redaktion des Burschireaders dem Niedersächsischen Pressegesetz unterliegt, wonach alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen sind. Mit der Formulierung, dass Nationalität und Religion "angeblich" keine Rolle spielen, sagt die Redaktion nichts anderes, als dass sie sich gar nicht erst die Mühe gemacht hat zu recherchieren. Keine Recherche zu betreiben ist keine gebotene Sorgfalt.

Aber wir beantworten die Frage gerne:

  • Nationalität und Religion spielen bei uns DEFINITIV keine Rolle.
  • Bei uns gibt es KEINE Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität.

Dererlei Themen sind für uns vollkommen uninteressant, wenn es darum geht, gemeinsam Kultur zu schaffen. Und nur darum geht es uns. Damit unterscheiden wir uns z. B. sehr wohl von den Autoren des Burschi-Readers, die weltanschaulich sehr wohl diskriminieren. Weltanschaulich meint nämlich politisch. Wir aber nehmen zu politischen Fragen überhaupt keine Stellung. Das Verhalten der Burschi-Reader ist damit genau eines: weltanschaulich diskriminierend.

Ein schwaches Bild ist und bleibt auch die "Gleichmacherei" der Autoren. Sie sind sehr darum bemüht die "angeblichen Gemeinsamkeiten" zu zeigen, die scheinbar nun mal allen Verbindungen wichtig sind, so als würden wir wöchentlich darüber reden, das wir doch die Mensur ablehnen und dass es uns doch wichtig ist, dass wir auch Frauen aufnehmen. Dererlei Themen sind so weit weg von uns, dass wir uns wirklich immer wieder wundern, dass wir uns dazu erklären müssen, obwohl sie sich doch aus der Sache selbst erklären.

Im Gegenzug dazu vermeiden es die Autoren aber (sprichwörtlich wie der Teufel das Weihwasser) darauf einzugehen, was uns besonders macht, was ungewöhnlich ist an uns. Sie schaffen es nicht einmal unsere musischen Gruppen zu erwähnen. Dabei haben wir das Musische sogar zum Mittelpunkt unseres Namens gewählt. Und es hätte mit Sicherheit insbesondere auch unsere nichtkorporierten Gäste gefreut.

Das "Lösen von der Tradition als studentische Verbindung"

Die für uns eigentlich fast spannendste Stelle steht am Schluss: "Sie sind aber nicht bereit, sich von ihrer Tradition als studentische Verbindung zu lösen."

Mal ganz abgesehen davon, dass es Leute gibt, die das schon mit der Zuordnung "Blaue Sänger = Verbindung" nicht so sehen: mit dem "Nicht bereit sein" ist das so eine Sache. Denn - wie soll das gehen? Wie "löst" man sich - so mal rein grundsätzlich betrachtet von einer "Tradition"? In dem man .... tja ... "was" aufgibt? Aber was denn? Und das wiederum hieße ja gerade im Falle von Studentenverbindungen ja auch, alle Verbindungen in die Vergangenheit aufzugeben. Damit würden wir uns aber auch der Verantwortung für unsere Vergangenheit entziehen. Und gerade das wollen wir nicht.

Es ist und bleibt unsere Geschichte, ob wir wollen oder nicht. Wir sind in gewisser Weise dafür verantwortlich, nämlich in dem wir versuchen, daraus zu lernen. Aus dem Positiven wie aus dem Negativen. Oder wie es der amerikanische Philosoph George Santayana sagt: "Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen." Und genau das wollen wir nicht.

Aber offensichtlich haben ja auch nicht einmal die Autoren des Burschireaders eine Ahnung/einen Vorschlag, wie man sich von seinen Traditionen lösen soll, ohne sich von seiner Geschichte zu lösen. In sofern können wir auch hier die Kirche mal ganz beruhigt im Dorfe lassen.

Noch mehr Falsches

In diesem Burschi-Reader findet man u.a. folgende Aussage: "Sängerschaften sind Studentenverbindungen, die sich „die Musik auf ihre Fahnen geschrieben haben”. Die meisten Sängerschaften sind im Dachverband Deutsche Sängerschaft organisiert."

Naja, richtig ist zumindest erstmal, dass auch Sängerschaften sich „die Musik auf ihre Fahnen geschrieben haben”. Aber damit hört die Wahrheit leider schon wieder auf. Im Dachverband namens "Deutsche Sängerschaft" sind nämlich nicht die meisten, sondern alle Sängerschaften organisiert. Im Sondershäuser Verband gibt es hingegen nicht eine einzige Sängerschaft. Die Bezeichnung Sängerschaft schließt nämlich für die einzelnen Bundesbrüder auch das Tragen von Couleur mit ein. Da innerhalb des SV jedoch kein Couleur getragen wird, kann es auch gar keine Sängerschaft im SV geben.

Falls man jedoch auf die Größe der Dachverbände anspielen will, so irren sich die Autoren leider wieder. Sowohl die Deutsche Sängerschaft als auf der Sondershäuser Verband vereinen jeweils gut 20 Verbindungen unter ihrem Dach, also ziemlich genau gleich viel. Es mag ein Beispiel für die Qualität des Burschireaders sein.

Andere Meinungen der "linken Alternativbewegung"

Ein bisschen Kehren/Lesen vor der eigenen Haustür täte den Autoren die Göttinger Burschi-Readers übrigens auch ganz gut. Bei indymedia hört sich die (übrigens dort unwidersprochene) Einschätzung zum Sondershäuser Verband nämlich ganz anders an [Link]:

SV taugt nicht als Feindbild
Hannes 07.05.2006 - 12:06

@Jan van Andern:
Der SV (Sondershäuser Verband) und seine Verbindungen geben als Feindbild für Antifas fast nichts her, die sind - im Vergleich zu den so bösen Burschenschaften - einfach viel zu harmlos:
- sie sind bewusst unpolitisch
- sie verursachen nie schlechte Schlagzeilen oder Auffälligkeiten
- sie fordern nichts von irgendwelchen Regierungen oder über irgendwelche Grenzen
- sie kümmern sich primär und fast nur um Musik und gesellschaftliches Leben
- sie machen keinen Unterschied nach Hautfarbe, Religion, Herkunft, etc.
- sie fechten nicht
- sie tragen keine Bänder und Mützen
- einige der SV-Verbindungen sind auch gemischte Bünde (Frauen und Männer)

Dazu kommt eine feste Einbindung in das jeweilige kulturelle bzw. musische Leben von Stadt und Uni, als anerkannte und renommierte Gruppierung.

(Rechtschreibfehler korrigiert)

Wir finden, Hannes hat recht.

Unsere Bewertung des Burschi-Reader-Artikels

Nochmal: da wir nicht mit anderen Verbindungen nach deren Gepflogenheiten verkehren, können wir hier nur eine Aussage über den Teil treffen, der sich mit den Blauen Sängern beschäftigt. Und da merkt man den Autoren doch schon sehr an, dass sie schon ziemlich krampfhaft bemühen mussten, um auch nur im Ansatz irgendetwas zu finden, aus dem man möglicherweise Honig saugen könnte. Das Ergebnis ist - wie eigentlich schon zu erwarten war - ziemlich dürre. Wo halt nix is.... Es wird deutlich, dass es den Autoren letztendlich weniger um Aufklärung geht, als um andere Dinge. Das ist nicht unser Stil. Wir halten es da eher mit der wunderbaren Claire Waldoff:

Die Menschen heutzutage sind alle so nervös.
Über jede Kleinigkeit das werden sie giftig bös.
Schimpft einer auf den andern,
Dann sing ich voll Humor,
Damit er nicht mehr schimpfen soll,
Mein kleines Liedchen vor:
Wer schmeißt denn da mit Lehm,
Der sollte sich was schäm'!
Der sollte auch was anderes nehm'
Als ausgerechnet Lehm.

Unabhängig von aller Kritik am Burschireader bedanken wir uns selbstverständlich dafür, dass es jetzt endlich öffentlich eine grafische Darstellung der Göttinger Verbindungen gibt [siehe hier]. Die Blauen Sänger sind unter der Nr. 24 zu finden, und wir freuen uns über jeden Menschen, der uns gerne einmal kennenlernen möchte.

Unser Chor

steht auch Studierenden mit weniger Chorerfahrung offen, denn auch ihnen möchten wir die Möglichkeit bieten, im Gesang einen Ausgleich zum Studium zu finden.

Unser Orchester

hat einen Faible für eher selten gespielte und unbekannte Werke aus allen Epochen, macht aber trotzdem um Haydn und Schubert keinen Bogen. Und als einziges der Orchester in Göttingen gibt es bei uns kein Vorspielen.

Unser Theater

bietet die Möglichkeit, sich im darstellenden Bereich auszuprobieren. Denn bei uns stehen die Freude am Spiel und die Sammlung von Theatererfahrung im Vordergrund.

Unsere Big Band

swingt und groovt, was das Zeug hält - und hat gerade beim 8. internationalen BigBand-Contest "Swingin´ Saxonia" in der Kategorie "Amateure" den zweiten Platz gewonnen!

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